Im November 2011 trafen sich Vertreter des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte mit dem Zoologie-Professor Jürgen Markl und dem Vize-Präsidenten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Ulrich Förstermann, zu einem Gespräch über den Tierverbrauch im Biologie-Studium. In diesem Gespräch einigte man sich darauf, die Studierenden des Studienganges Biologie von der Sezierpflicht im Fach Zoologie zu befreien und, dass es zukünftig auch möglich sein wird, das Physiologie-Praktikum tierverbrauchsfrei zu absolvieren.
Dazu berichteten nun auch Die Zeit, Spiegel Online und Die Süddeutsche mit umfassenden Artikeln zum Tierverbrauch im Studium (siehe Verlinkung). Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft startete jetzt eine Web-Umfrage ‘Tiere sezieren im Studium – ja oder nein?’. Bitte stimmen Sie unter folgendem Link ab: stifterverband.org.
PM, 8.12.11: Ein verstorbenes Haustier kann Leben retten – wenn der Besitzer es nach seinem Tod für das Studium angehender Biologen und Tierärzte zur Verfügung stellt. Hierfür hat der Bundesverband Menschen für Tierrechte jetzt einen Leitfaden erstellt. Bislang werden meist gesunde Tiere, wie Hunde, Katzen und Nagetiere, extra getötet, um deren Anatomie sowie chirurgische Techniken zu lernen. Das will der Bundesverband beenden und ruft zur Umsetzung eines Spendertier-Programmes auf. In den USA, Niederlanden und Australien haben sich solche Programme, die mit der menschlichen Körperspende vergleichbar sind, bewährt.
„Mit dem Spendertier-Programm können Institute der Biologie und Veterinärmedizin Qualität und Inhalte der Lehre gewährleisten und gleichzeitig unnötiges Töten verhindern. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur ethisch einwandfreien Ausbildung junger Menschen“, so Dr. Astrid Schmidt, Leiterin des Bundesverbands-Projektes ‘SATIS – für humane Ausbildung‘, „Denn die Zahl der Tiere, die für Ausbildungszwecke getötet werden, ist groß und viele Studenten leiden unter dem quälenden Gewissenskonflikt. Eine Verweigerung nötigt meist zum Studienabbruch.“ Weiter lesen 'Neues Spendertier-Programm rettet Tierleben'»
Zahlreiche Aktionen für eine Durchsetzung der Gewissensfreiheit im Biologiestudium, wie eine online Petition von Campus Grün Mainz, die fast 2500 Unterzeichner erreichte, Medienberichte in Zeitung und Fernsehen (siehe Presse) bis hin zu konstruktiven Gesprächen zwischen Studentenvertretern, Bundesverband und der Universität, hatten zum Einlenken der Kursverantwortlichen geführt (siehe weitere Artikel zu Mainz unter Aktuelles).
Nachdem der Fachbereich Biologie der Universität Mainz im November veröffentlichte, ab dem nächsten Semester ein Alternativprogramm zum Sezieren anzubieten, schließt sich nun auch die Physiologie diesem beispielhaften Handeln an.
In einer schriftlichen Erklärung reagiert das Physiologische Institut mit ebenfalls einem Alternativprogramm. Ab dem Sommersemester 2012 können Studierende zwischen Experimenten an den Augen lebender Fliegen und einem Sehtest am Menschen wählen. Das Alternativprogramm wird als pädagogisch so gleichwertig bewertet, dass Prüfungsstoff und Abschlusszeugnis für beide Gruppen identisch sein werden. Den genauen Wortlaut finden Sie in der downloadbaren Uni-Übersicht des Ethik-Rankings.
Nun ist noch die Genetik gefordert, mit einem Alternativprogramm zur Gewinnung von DNA aus Fliegen, nachzufolgen. Erst dann wäre die Uni Mainz die erste mit einem kompletten Alternativprogramm für den Bachelor Biologie in Deutschland.
Nach dem großartigen Erfolg der Mainzer Studierenden, für die bisherige Sezierpflicht ein Alternativprogramm zu erstreiten, rufen wir Studierende anderer Universitäten auf, ebenfalls aktiv zu werden. Fordert für gleiches Recht für den gleichen Abschluss!
In Berlin hat sich soeben die Gruppe Studieren ohne Tierversuche – Für ein Studium ohne Tierleid in Berlin gegründet, die weitere Mitstreiter sucht. Meldet euch unter tierversuche-im-studium@web.de. Weitere bereits aktive Gruppen findet ihr rechts unter Gruppen.
Sehen Sie den Bericht “Streit um Tierversuche an der Uni” zum Tierhaus und den studentischen Forderungen auf Campus TV Mainz.
Pressemitteilung [english information]
Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz hat in dieser Woche veröffentlicht, dass Studierende der Biologie ab dem Sommersemester 2012 ein Alternativprogramm zum Sezieren von getöteten Tieren wählen können. Für den Bundesverband Menschen für Tierrechte ist das beispielhaftes Handeln sowie ein sichtbarer Erfolg eines konstruktiven Austausches zwischen Studentenvertretern, Bundesverband und der Universität. Zur Debatte um das Recht auf Gewissensfreiheit war es im Sommer gekommen, nachdem immer wieder Biologie-Studenten gezwungen waren, sich zwischen dem ethisch belastenden Tiereinsatz in Pflichtkursen und dem Studienabbruch zu entscheiden.
siehe auch Bekanntmachung der Universität Mainz, Fachbereich Biologie: www.uni-mainz.de
PM Mainzer Studenten fordern Gewissensfreiheit an der Universität
Weiter lesen 'Gewissensfreiheit im Biostudium – Uni Mainz erlässt Sezierpflicht an Tieren'»
Für Abgeordnete der Landtage in den Bundesländern besteht die Möglichkeit Fragen an die Landesregierung in Form einer Kleinen Anfrage zu formulieren. Zum Thema Tierverbrauch in der Ausbildung wurden in diesem Jahr mehrere Drucksachen eingereicht, einige Anworten stehen noch aus. Bitte lesen Sie weiter auf der Unterseite Politik: Anfragen und Anträge.
Pressemeldung 6.10.11
Das Thüringer Sozialministerium hat 2010 das Vorhaben der US-Armee untersagt, Tierversuche an lebenden Schweinen im Rahmen der Ausbildung von Soldaten und Sanitätern durchzuführen. Gegen dieses Verbot hat die US-Armee über die Auftragsfirma Deployment Medicine International kürzlich Klage* am Verwaltungsgericht Gera eingereicht. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte ist zuversichtlich, dass das Gericht in keinem Fall die Durchführung der Tierversuche erlauben wird.
Denn gemäß Tierschutzgesetz dürfen Tierversuche nur dann durchgeführt werden, wenn es keine Alternativen gibt und sie außerdem ethisch zu rechtfertigen sind.
siehe auch Stellungnahme SPD Thüringen: Keine Tierversuche – egal zu welchem Zweck
Video zum Plenum Landtag Thüringen mit Stellungnahmen der Fraktionen
und Grafenwöhr 2010 (inkl. Link zum Video)
Weiter lesen 'Thüringen: Alternativen zu Schweine-Experimenten sind vorhanden'»
Die Initiative der Mainzer Studenten, die in einer Petition Unterschriften gegen Tierverbrauch im Studium sammeln, erreichte bereits über 1400 Unterzeichner. Damit steht sie auf petitiononline.de auf der Liste der am häufigsten unterschriebenen und gelesenen Petitionen! (Siehe unten und aktive Mainzer FB-Gruppe )
Die älteste und größte Tierschutzorganisation der Welt ist die RSPCA (Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals), ‚königlich’ durch ihre Schirmherrin Königin Elisabeth II. Gerade zum zweiten Mal honoriert die RSPCA Menschen und Gruppen, die einen großen Beitrag im Tierschutz geleistet haben. Zu den Preisträgern gehört in diesem Jahr unser Kooperationspartner InterNICHE, das Internationale Netzwerk für humane Ausbildung. Am 3. September konnte Netzwerk-Koordinator Nick Jukes im Namen von InterNICHE den Lord Erskine Silver Award in Empfang nehmen.
InterNICHE wurde aufgrund der progressiven Förderung wissenschaftlicher Ausbildung anhand von Ersatzmethoden zum Tierversuch ausgewählt. In den letzten Jahren konnte dieser Gedanke auf Südamerika, Afrika und den Mittleren Osten ausgeweitet werden, in Länder in denen eine Ausbildung an Alternativen und unter Achtung ethischer Gewissensgründe vorher unbekannt war.
„Diese Auszeichnung zu erhalten, ist eine wertvolle Anerkennung der vielen Erfolge, die im Ersatz von Tierverbrauch in der Aus- und Weiterbildung weltweit erreicht wurden,“ so Nick Jukes. „Der Preis bestätigt den eindrucksvollen Einsatz und die großartige ehrenamtliche Arbeit des gesamten InterNICHE-Teams und reflektiert die wachsende Eigendynamik in der Einführung humaner Lehrmaterialien.“
SATIS bietet in Kooperation mit InterNICHE den kostenlosen Zugang zu entleihbaren Alternativen sowie einer ins Deutsche übertragenen Online-Datenbank zu humanem Lehrmaterial.

Nick Jukes, Koordinator von InterNICHE, beim Betrachten des SATIS-Posters in Montreal
In der Woche vom 21.-25.8.11 fand bereits das achte internationale Treffen von Forschern, Veterinärmedizinern, Tierschutzorganisationen, Ethikkommissionen, Experten und Vertretern der Politik zum Thema ‘Nutzung von Alternativen und Tieren in den Lebenswissenschaften’ statt. Austragungsort war in diesem Jahr Montreal in Kanada.
SATIS stellte den 900 Teilnehmern des Kongresses aus über 50 Ländern das erste deutsche Ethik-Hochschulranking im großformatigen Poster vor und präsentierte das Ranking damit einem globalen Fachpublikum. Unsere politischen Forderungen und die im Ethik-Ranking festgestellten Mängel in der Umsetzung des europaweit gesetzlich vorgeschriebenen Einsatzes von Alternativen, soll durch den internationalen Vergleich auch einen Aufschwung in Deutschland erfahren.
Details zum Programm mit Vorträgen, Posterpräsentationen und Ausstellungen (u.a. der InterNICHE-Multimedia-Ausstellung zu Alternativen in der Ausbildung) finden Sie auf www.wc8.ca und im Abstrakt-Band (altex.ch).