Leitfaden für Studierende

Wir bieten Informationen und Vermittlung

Auf der Website gibt es umfassende Informationen zum Thema humane Ausbildung, darunter u. a. zu Vorteilen der Alternativen, oder zum Thema Tiere in der Lehre einschließlich Kritik und der rechtlichen Situation.

Unter Ausgewählte Innovationen findest Du zahlreiche Anwendungen für die tierverbrauchsfreie Lehre in den unterschiedlichen Fachbereichen. Außerdem können bei InterNICHE einige Lehrmaterialien kostenlos ausgeliehen werden (siehe InterNICHE Lehrmaterial-Bibliothek), darunter interaktive Simulations-Software, Modelle, Simulatoren und Videos für die Bereiche Anatomie, Physiologie, Biochemie und Zellbiologie, klinische Fertigkeiten und Chirurgie sowie Pharmakologie. Sie können DozentInnen zur Anschauung vorgelegt, in Kursen praktisch getestet oder auf Infoveranstaltungen vorgestellt werden. Weiterhin sind einige Materialien als Freeware erhältlich.

In manchen Bundesländern können Studierende sich von tierverbrauchenden Übungen befreien lassen, dazu bieten wir Musteranträge.

Unser Ethik-Hochschulranking (sog. Hochschulreader), welches zurzeit aktualisiert wird, gibt eine Uni-Übersicht, mit der sich SchülerInnen, Auszubildende und Studierende für die Auswahl des Studienortes und Faches orientieren und auch alternative Praktika zu den Kursen mit Tierverbrauch an ihrer Uni suchen können, um sie den verantwortlichen DozentInnen oder Tierschutzbeauftragten vorschlagen zu können.

Wir bieten Beratung und Hilfe bei der Studienplatzwahl, aber auch bei der Vermittlung zwischen Studierenden und DozentInnen. Bei entsprechenden Fragestellungen kannst Du gerne mit uns Kontakt aufnehmen. Wir verwenden alle Daten vertraulich und unverbindlich, natürlich auf Wunsch auch anonym.

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Aktiv werden

Es gibt viele Möglichkeiten, sich auch selbst gegen den Tierverbrauch im Studium einzusetzen. Jede Form der Unterstützung ist wichtig. Einige Anregungen:

  • Das „Ethikranking der bundesdeutschen Hochschulen“ ist ein Nachschlagewerk auf unserer Webseite und dient als Orientierungshilfe bei der Studienortauswahl und als Vergleichsmöglichkeit der eigenen mit anderen Unis. Bitte hilf uns, diese Übersicht auf dem aktuellen Stand zu halten.
  • Zur Information und Dokumentation benötigen wir gute Fotos von im Praktikum verwendeten Tieren. Wenn Du keine Möglichkeit siehst, die tierverbrauchenden Übungen zu umgehen, wäre es schön, wenn Du Fotos machen und sie uns zur Verfügung stellen könntest.
  • Eine weitere Möglichkeit, Versuchstieren zu helfen, auch wenn Du die Übungen nicht vermeiden kannst, ist die Meldung von stark belastenden Eingriffen an Wirbeltieren (Eingriffe, welche für Menschen unerträglich erscheinen). Wir überlegen dann, ob und wie wir vorgehen können, damit die Versuche abgemildert oder gar ersetzt werden.
  • Informiere Dich über tierverbrauchsfreie Lehrmethoden, zum Beispiel unter Ausgewählte Innovationen, sowie deren Vorteile (siehe auch Publikationen zu humanen Lehrmethoden), um gut argumentieren zu können.
  • Unterstütze unsere Arbeit durch eine Spende oder Mitgliedschaft im Bundesverband Menschen für Tierrechte.
  • Setze einen Link zu unserer Homepage und weise über die sozialen Medien auf SATIS hin.
  • Bestelle unsere Flyer über den Tierverbrauch im Studium und lege sie an vielbesuchten Orten (Foyers von Mensen, Instituten der Biologie etc.) aus
  • Informiere Dich schon frühzeitig über Deine weitere Karrieremöglichkeiten. Auf unserer Plattform InVitro+Jobs werden Abschlussarbeiten angeboten und es ist eine große Zahl von Arbeitsgruppen der tierversuchsfreien Forschung gelistet, die z. B. für Praktika kontaktiert werden können. Der noch relativ junge Zweig der Forschung zu Alternativen von Tierversuchen bietet ein großes Potential an möglicher Mitarbeit in Projekten.

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Tipps zur Vorgehensweise, Alternativen in tierverbrauchenden Praktika durchzusetzen

Studierst du in einem der folgenden Bundesländer, hast Du relativ gute Chancen, den Tierverbrauch in einem Kurs zu umgehen. In Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben Studierende die Möglichkeit, sich auf begründeten Antrag von Lehrveranstaltungen mit Tierverbrauch befreien zu lassen. Die Hochschulgesetze beinhalten Klauseln, die solch eine Befreiungsmöglichkeit vorsehen, sofern es die mit dem Studium bezweckte Berufsbefähigung zulässt. Dazu ist es nötig, sich mit den vorgeschriebenen Übungen und möglichen Alternativen zu befassen, um gut argumentieren zu können, siehe unten und die Informationen unter den Musteranträgen.

In Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg soll nach den dortigen Hochschulgesetzen den Studierenden ermöglicht werden, ein Hochschulstudium zu absolvieren, ohne an Tierversuchen oder Tierverbrauch teilnehmen zu müssen. Studierende müssen hier keinen Antrag stellen und haben keine Pflicht, wissenschaftlich gleichwertige Methoden darzulegen. Weitere Informationen unter Recht und Gesetz. Die unten aufgeführten Schritte dürften daher nicht erforderlich sein, zumindest nicht in dem Umfang.

Aber auch in den anderen Bundesländern lohnt es sich, dass Du bzw. so viele Studierende wie möglich sich für Kurse ohne Tierverbrauch einsetzen. Denke daran, dass Deine ethische Überzeugung wichtig ist und Du ein Recht darauf hast. Das Recht auf Gewissensfreiheit ist im Grundgesetz, Artikel 4 verankert. Es liegt an Dir, Veränderungen für Dich, für die anderen Studierenden und für die Tiere zu bewirken.

Vielleicht wird Deine ethische Überzeugung von Deinen ProfessorInnen oder KursleiterInnen respektiert und Du erreichst einen schnellen Erfolg. Es kann aber auch sein, dass Du auf erhebliche Schwierigkeiten stößt. Eine gute Vorbereitung macht einen Erfolg wahrscheinlicher.

Wir können Dich bei allen aufgeführten Schritten beraten.

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1. Informationssammlung

  • Verlasse Dich nicht darauf, was andere Studierende erzählen, informiere Dich selbst.
  • Das Aneignen der allgemeinen Informationen zur humanen Ausbildung, darunter der pädagogischen Vergleichsstudien sowie der nützlichen Argumente* ist zu empfehlen.
  • Ebenso wichtig ist die Suche nach speziellen Alternativen unter Ausgewählte Innovationen oder der Alternativdatenbank von InterNICHE. Im Hochschulreader kannst Du auch nach vorbildlichen Studiengängen suchen, die in den entsprechenden Praktika tierfreie Methoden einsetzen. Häufig kann eine tierfreie Methode die Übung an Tieren nicht eins zu eins ersetzen. Daher ist es ratsam, mehrere verschiedene Methoden zu finden (Videos, Software, Modelle) und diese zu kombinieren , um das Lernziel zu erreichen.
  • Suche Gleichgesinnte unter Deinen KommilitonInnen, auch in anderen Studiengängen und versuche, so viele wie möglich für ein gemeinsames Ersuchen bei den Kursverantwortlichen zu gewinnen
  • Frage den Fachschaftsrat, gegebenenfalls bestehende Gruppen in sozialen Netzwerken, den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) bzw. Studierendenrat (StuRa) oder den Tierschutzbeauftragten der Hochschule um Unterstützung. Gebe nicht auf, wenn Du keine Hilfe bekommst. Auch alleine kannst Du viel erreichen.
  • Spreche so früh wie möglich mit den verantwortlichen KursleiterInnen. Finde heraus, welche Versuche im Kurs Tiere beinhalten. Informiere Dich über Art und Anzahl der Tiere sowie über die Lernziele des Kurses. Frage, ob kritischen Studierenden Alternativen angeboten werden, wenn ja welche.

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2. Gewissensfrage

  • Prüfe Deine Position und Motivation. Entscheide, was für Dich eine akzeptable Alternative ist (z.B. ‘Schlachthofmaterial’, Beifang, ‘Forschungsabfall’ usw. oder ausschließlich wirklich humanes Lehrmaterial). Denke daran, dass Du studierst, um zu lernen und dass eine mögliche Alternative dem Ausbildungsstandard und dem Kursziel entsprechen sollte.

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3. Persönliche Gespräche

  • Arrangiere ein Gespräch mit der/m zuständigen ProfessorIn oder Dozenten/in, wenn möglich gemeinsam mit anderen Studierenden oder Vertretern. Dies ist unabhängig von den Befreiungsanträgen hilfreich, um vorab schon eine gemeinsame Lösung anzustreben.
  • Das Gespräch sollte nicht zwischen Tür und Angel nach der Vorlesung stattfinden. Bitte daher um einen Termin, dann trifft Dein Anliegen auf mehr Gehör.
  • Erkläre, dass die Verwendung von Tieren in dem betreffenden Kurs mit Deiner ethischen Einstellung nicht zu vereinbaren ist*. Du bist bereit, den Unterrichtsstoff zu lernen, aber nicht auf Kosten von Tieren. Bitte um eine gemeinsame Suche nach alternativen Lehrmaterialien. Erkläre, dass Du an einer beiderseitig akzeptablen Lösung interessiert bist, und biete eigene Mitarbeit bei der Suche an. Lass Dich nicht einschüchtern, Du hast ein Recht auf eine eigene Meinung. Argumentiere klar, kompetent und freundlich, lass die Türen offen für weitere Gespräche.
  • Wenn Dein/e ProfessorIn offen für Deine Argumente ist und Dir akzeptable Alternativen anbietet, bittest Du um eine schriftliche Bestätigung, die Bescheinigung zum bestandenen Praktikum entsprechend den Abmachungen auch zu erhalten. Im Falle einer ablehnenden Haltung Deiner/s ProfessorIn wirst Du zum nächsten Schritt übergehen müssen.

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*Nützliche Argumente:

  • Tierversuche in der Aus-, Fort- und Weiterbildung bieten keine neuen Erkenntnisse, sondern vermitteln lediglich längst bekanntes Wissen.
  • Es sind bereits zahlreiche moderne Alternativen vorhanden, um das Lernziel zu erreichen. Der Einsatz von Tieren im Studium ist daher oft überflüssig.
  • Studien haben die pädagogische Gleichwertigkeit und finanziellen Vorteile der humanen Lehrmethoden nachgewiesen (siehe Publikationen).
    1. Das Üben an einem Modell oder mithilfe eines Programms hat für Studierende u.a. den Vorteil, gezielt Handgriffe bzw. Präparations- oder Versuchsabläufe wiederholen zu können und dabei die Strukturen und Vorgehensweise zu verinnerlichen.
    2. Das Training von Operationen in der Humanmedizin ist an Modellen bzw. Simulatoren oft sinnvoller, da viele anatomische Unterschiede zum Menschen bestehen und verschiedene Eingriffe und Komplikationen beliebig oft geübt werden können.
    3. Alternative Testmethoden sind nicht nur tierfreundlich, sondern auf lange Sicht auch kostengünstiger, da eine mehrmalige Verwendung möglich ist.
  • Die Zukunft sieht zumindest in Teilen vor, dass nicht mehr am Tier, sondern mit Zellen, Organoiden, mikrofluidischen Systemen, Computer-Algorithmen usw. in der Forschung gearbeitet wird. Neben moralischen Gründen liegen dafür vor allem wissenschaftliche und ökonomische Gründe vor (Tierversuche führen meist nicht zur klinischen Anwendung am Menschen und sind kostenintensiv). Deshalb sollten Studierende die neuen Methoden kennenlernen, um zeitgemäß ausgebildet zu werden.
  • Es ist in Deutschland gesetzlich vorgegeben, Tierversuche auf das unerlässliche Maß zu beschränken (siehe Recht und Gesetz). Die EU-Tierversuchsrichtlinie (RICHTLINIE  2010/63/EU) gibt u. a. klar vor: „… Verfahren mit lebenden Tieren für wissenschaftliche Zwecke und Bildungszwecke vollständig zu ersetzen, sobald dies wissenschaftlich möglich ist.“ (Erwägungsgrund 10). Und „…Der Einsatz von Tieren zu wissenschaftlichen Zwecken oder zu Bildungszwecken sollte deshalb nur dann erwogen werden, wenn es keine tierversuchsfreie Alternative gibt…“ (Erwägungsgrund 12).

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4. Erweiterte Informationssammlung und ggf. Befreiungsantrag stellen

Es ist empfehlenswert, schriftliche Aufzeichnungen über alle Deine Aktionen zu machen, z. B. Ort und Zeit von Gesprächsterminen mit ProfessorInnen, Inhalt der Gespräche und Namen der anwesenden Personen.

  • Finde mehr über die bevorstehenden tierverwendenden Übungen heraus. Stelle fest, ob diese Experimente noch an anderen Hochschulen (siehe Ethik-Hochschulranking) durchgeführt werden oder ob es schon etablierte Ersatzmethoden gibt bzw. die Versuche kein Pflichtbestandteil sind.
  • Mache Dich intensiv mit den möglichen tierverbrauchsfreien Lehrmethoden vertraut (siehe z.B. Ausgewählte Innovationen, InterNiche Alternativdatenbank), deren Handhabung, Qualität und Kosten.
  • Suche nach geeigneten Publikationen, möglicherweise auch unter der weiterführenden Literatur von Interniche, die von der tierfreien Methode überzeugen können.
  • In den oben genannten Bundesländern kannst Du nun einen Befreiungsantrag stellen.
  • Im anderen Fall solltest Du ein Konzept erarbeiten und dem/der DozentIn unterbreiten. Führe dazu die tierverbrauchenden Versuche des betreffenden Kurses sowie detaillierte Informationen zu geeigneten Alternativen auf. Dabei kannst Du Dich an einer Befreiungsantrag-Vorlage orientieren. Gebe auch die Argumente für die Alternativen sowie deren Vorteile bzw. Gleichwertigkeit an. Denke daran, dass eine Kombination verschiedener Methoden die Lernziele häufig besser erreicht als einzelne Alternativen. Werden Deine Vorschläge akzeptiert, bitte um eine schriftliche Bestätigung.
  • Suche nochmals Unterstützung bei Fachschaften, AStAs bzw. StuRas oder den Tierschutzbeauftragten.
  • Mache Dich mit den entsprechenden Gesetzestexten (siehe Recht und Gesetz) intensiv vertraut.
  • Verbreite die gesammelten Informationen und mobilisiere Deine KommilitonInnen. Veranstalte Informationsstände und Umfragen. Die Einführungstage für Erstsemester und ähnliche Veranstaltungen bieten eine gute Plattform.

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5. Ausweitung der Arbeit

Werden Deine Vorschläge nicht angenommen, musst Du Dich an übergeordnete Stellen wenden. Formuliere die Forderungen schriftlich und richte Dich an die PraktikumsleiterInnen und zuständigen Hochschulgremien, z. B. Institutsleitung, Direktorium, Fachbereichsrat, Dekanat, Universitätsleitung.

  • Lege, wenn möglich, Dein erarbeitetes Konzept bei.
  • Wichtig ist es, den richtigen Ansprechpartner herauszufinden und korrekte Anreden zu nutzen.
  • Erwähne die Namen (bzw. Anzahl) aller Studierenden, die Deine Forderungen unterstützen.
  • Bitte am Ende des Briefes um eine Rückmeldung.
  • Es empfiehlt sich, möglichst sachlich zu bleiben und auf eine schriftliche Stellungnahme nach einer gewissen Wartefrist (ca. 4 Wochen) zu bestehen.
  • Weise auf schon geführte Diskussionen und Umfragen und auf Deine Bereitschaft hin, an Alternativen mitzuarbeiten.
  • Mache das Problem öffentlich. Schreibe Artikel für AStA-/StuRa- und Fachschaftszeitungen) und informiere die lokale Presse. Wir helfen gerne bei der Erstellung von Berichten oder z. B. bei der Organisation einer Podiumsdiskussion.
  • Wende Dich mit unserer Unterstützung an die zuständigen Ministerien und reiche eine Petition im Landtag ein.

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6. Gerichtliche Auseinandersetzung

Sind die zuständigen ProfessorInnen immer noch zu keiner Kooperation bereit, bleibt nur der gerichtliche Weg. Eine Studentin war bereits vor Gericht erfolgreich (siehe Recht und Gesetz unter „Einordnung des Einsatzes bereits getöteter Tiere“), andere haben verloren.

Bevor Du diesen Weg beschreitest, setze Dich unbedingt mit SATIS in Verbindung. Sei Dir im Klaren darüber, dass dieser Weg trotz der jetzt verbesserten Rechtslage äußerst mühsam, teuer und zeitraubend sein kann und dass Du Dein Studium unter Umständen unterbrechen musst.

SATIS kann Dich bei all Deinen Schritten unterstützen und Dich mit Informationen versorgen. Auch eine Unterstützung durch Vermittlung eines Anwalts ist denkbar. Bitte informiere uns über Deine Aktionen und Erfolge – Deine Erfahrungen können anderen Studierenden nützlich sein.

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