Berlin: Lehrstuhl für Ersatzverfahren zum Tierversuch

Von , 10. November 2015 13:06

An der Freien Universität Berlin wird Berlins erste Universitätsprofessur zur Erforschung von Alternativen für Tierversuche eingerichtet.  Die Professur wird ab Januar 2016 an der Freien Universität Berlin angesiedelt. Das Land Berlin stellt dafür 400.000 € für den Zeitraum von zwei Jahren zur Verfügung.

Die Finanzierung in Höhe von 400.000 € läuft aus haushaltsrechtlichen Gründen über einen Zeitraum von zwei Jahren, erklärt Claudia Engfeld von der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz.

Ziel des Lehrstuhls sei es, menschliche Haut als künstliche Organe zu rekonstruieren, mit denen z.B. Substanzen auf ihre Haut-ätzende oder -reizende Wirkung getestet werden kann. Außerdem sollen Krankheitsmodelle auf der Basis menschlicher Gewebezellen entwickelt werden. Im Rahmen der neuen Professur sei sogar der Nachbau ganzer Mini-Organe aus verschiedenen Geweben geplant. Die Professur wird in den Forschungsverbund Berlin-Brandenburg (BB3R) eingebettet sein, im Rahmen dessen bereits Krankheitsmodelle der Humanhaut und immunkompetente Hautmodelle in Zusammenarbeit zwischen der FU Berlin und der Universität Potsdam entwickelt worden sind. Mit im Forschungsverbund ist auch das Bundesinstitut für Risikobewertung, das sich mit der Untersuchung von Nanopartikeln in-vitro beschäftigt sowie die Technische Universität, die die passenden Chipkulturen für die Hautmodelle entwickelt, um die Modelle z.B. in die Multi-Organ-Chip-Konzeption einbinden zu können.

Mit im Forschungsverbund vertreten sind ferner Wissenschaftler, die sich mit Computervorhersagen von Stoffwirkungen und der Entwicklung neuer Wirkstoffe am Computer beschäftigen und mehrere Forschergruppen, die sich mit dem behutsameren Umgang mit Tieren im Tierversuch und mit der Reduktion der Anzahl von Tieren im Versuch beschäftigen.

Der zweite, wichtige Aspekt ist die Übertragung der Erkenntnisse in die Lehre: in einem angeschlossenen Graduiertenkolleg erlernen Doktoranden die Entwicklung von neuen Methoden zur Ersatz von Tierversuchen praktisch durch eigene Forschung in den Projekten.

Prof. Monika Schäfer-Korting, die über langjährige Expertise auf dem Gebiet der Entwicklung humaner Hautkrankheitsmodelle verfügt, zeigte sich in einem Interview mit der Berliner Morgenpost, überzeugt, dass mit der Entwicklung von Alternativen zum Tierversuch mittelfristig mindestens die Hälfte der Tierversuche in der medizinischen Forschung überflüssig werden können. Deshalb sei eine weitere Förderung des Senats wünschenswert.
Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft, äußerte, sie sei der Auffassung, dass dieses Forschungsfeld der Alternativen zum Tierversuch in Deutschland ausgebaut werden musse. Dafür bräuchte es die Initiative aller Beteiligten aus der universitären wie außeruniversitären Forschung und der Gesundheitswirtschaft.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für das Berufungsverfahren für die Professur an der Freien Universität.

Quellen:
http://www.fu-berlin.de/presse/informationen/fup/2015/fup_15_344-professur-ersatzmethoden-tierversuche/index.html
http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2015/11/berlin-finanziert-neue-professur-gegen-tierversuche-an-der-fu-freien-universitaet-berlin.html
http://www.myscience.de/wire/forschung_fuer_weniger_tierversuche-2015-FUB
http://www.morgenpost.de/politik/article206519893/Mehr-als-nur-Tierschutz.html
http://www.berliner-zeitung.de/wissen/neue-professur-an-der-freien-universitaet-berliner-uni-will-tierversuche-reduzieren,10808894,32335424.html?piano_d=1

Hier geht es zur Forschungsplattform 3R:
http://www.bb3r.de/forschungsplattform/index.html

 

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