Ethik-Hochschulranking

Das Ethik-Ranking wurde 2010  im Rahmen einer Befragung der Kursverantwortlichen aller biologischen, human- und veterinärmedizinischen Fakultäten in Deutschland für die Bereiche Bachelor und Vorklinik erstmalig entworfen und fortwährend aktualisiert. Im März 2014 aktualisierten wir die Situation an den Hochschulen für das Studienfach Humanmedizin.

Im Juni 2012 führten wir zusätzlich eine Umfrage an den Instituten durch, die einen Bachelor für Ernährungswissenschaften anbieten. Hierbei wurde nicht allein nach möglichen Kursen der Tieranatomie und Tierphysiologie gefragt. Da besonders Vegetarier an diesem Studium interessiert sein dürften, wurde auch das Thema tierische Lebensmittelverarbeitung und Verkostung aufgenommen.

Die Übersicht soll den Studierenden ein Wegweiser sein, die aus ethischen Gründen den Einsatz von Tieren für ihre Ausbildung vermeiden möchten. Die Vielzahl aktuell vorhandener und bereits in der Lehre evaluierter alternativer Lehrmaterialien zeigt pädagogisch und innovativ Wege, wie auch bei ethischen Bedenken die im Grundgesetz verankerte freie Berufswahl beschritten werden kann. Der hohe Verantwortung zukünftiger Lehrer, Forscher und Mediziner soll bereits in der Ausbildung Rechnung getragen werden.

Das Satis Ethik-Ranking ist als kostenlose Broschüre verfügbar (PDF-Datei, 650 kB).

Zwischen März und Juli 2010 fand die deutschlandweite Befragung zur Lehrmittelsituation im Studium zum ersten Ethikranking statt. Es wurden die medizinischen Fakultäten von 35 Universitäten, die fünf veterinärmedizinischen Fachbereiche und die Biologie-Fachbereiche von 70 Universitäten befragt. Interviewt wurden die Kursverantwortlichen der Studiengänge Humanmedizin, Veterinärmedizin und Biologie-Physiologie. Details zur Umfragemethodik können Sie auf deutsch und englisch als PDF-Datei herunterladen.

Biologie

SATIS-Ethikranking Biologie

Derzeit ist es in der Biologie vereinzelt möglich ohne den Einsatz von Tieren den Bachelor-Abschluss zu erlangen. Es gibt keinen tierverbrauchsfreien Abschluss zum Bachelor of Science Biologie, aber die Studiengänge mit biologischen Bachelor of Science verschiedener Spezialisierungsrichtungen wurden für Bonn (Hochschule), Kaiserslautern, Gelsenkirchen-Recklinghausen, Kleve und Lüneburg als vorbildlich gewertet. Weiterhin kann man in Lüneburg und Trier auf Lehramt bzw. Bachelor of Education ohne Tierverbrauch studieren. Die Masterstudiengänge bieten jeweils eine große Vielfalt an Wahlpflichtmodulen und Spezialisierungsrichtungen, hier sind auch tierverbrauchsfreie Möglichkeiten geben.

Die an anderen Fakultäten nur teilweise human durchgeführten Kurse können innerhalb der Modulstudiengänge möglicherweise an verschiedenen Universitäten belegt werden. Die Anerkennung der Punkte bzw. Scheine sollte vorher mit den jeweiligen Prüfungsämtern schriftlich zugesichert werden.

Humanmedizin

 

SATIS-Ethikranking Medizin, Veterinärmedizin, Pharmazie u.a.

In der Humanmedizin ist in den letzten Jahren ein Richtungswechsel hin zu einer Ausbildung am Menschen zu beobachten. Von den befragten Hochschulen bieten Bochum, Frankfurt, Kiel, Marburg, Münster und Witten/Herdecke in der Vorklinik keine Kurse mit Tierverbrauch an. An weiteren 15 Studienorte ist der Einsatz von Tieren durch alternative Kursinhalte oder Ersatzleistungen umgehbar. Im klinischen Bereich der Ausbildung werden zum Teil Wahlpflichtmodule mit Tierverbrauch angeboten, Ausweichmöglichkeiten auf humane Wahlpflichtkurse sollten erfragt werden. Eine erfreuliche Entwicklung ist in der Humanmedizin die Einrichtung von sogenannten SkillsLabs an einigen Fakultäten, die Simulatoren und Phantome für Studierende bieten.

Veterinärmedizin

Schon aufgrund des im Staatsexamen verankerten dreiwöchigen Schlachthofpraktikums ist das Berufsziel Veterinärmediziner in Deutschland für Menschen mit ethischen Bedenken nur unter Gewissenskonflikten erreichbar.

Weitere Studiengänge

Andere Abschlüssen in den Natur- und Lebenswissenschaften zeigen ebenfalls die Diversität der geforderten Lernziele. Der Studiengang Pharmazie, der mit dem Staatsexamen abgeschlossen wird, ist in Berlin FU, Greifswald, Düsseldorf und Heidelberg ohne Tierverbrauch, weiterhin können Pharmatechnologie in Detmold, Bioinformatik in Halle und mit Einschränkungen Medizinische Biologie in DuisburgEssen mittels humaner Lehrangebote studiert werden.

Bitte beachten: Alle Angaben ohne Gewähr

Aufgrund der Vielfalt der angebotenen Studiengänge und Fakultäten in Deutschland sowie der teilweise wechselnden Lehrangebote soll diese Übersicht nicht als vollständig betrachtet werden. Wir bemühen uns um eine ständige Aktualisierung. Sollten die Informationen zu den Lehrinhalten und Studienmöglichkeiten an Ihrer Universität fehlen bzw. nicht mehr aktuell sein, würden wir uns über eine Rückmeldung freuen. Wir bitten Studierende sich vor der Studienplatzwahl selbst bei der jeweiligen Studienfachberatung zu informieren.

4 Antworten für “Ethik-Hochschulranking”

  1. VierPfoten sagt:

    Das bei den Vetunis alles Rot angezeigt wird halte ich nur bedingt für aufschlussreich. Mich würde der Tierverbrauch auch IN den jeweiligen Unis interessieren (eventuelle Einschläferungen, verwenden Sie Datenbanken um an bereits tote Tiere zu kommen, etc) falls Sie darüber Material haben…
    Tolle Seite auf jeden Fall!

    Mfg

  2. Anna sagt:

    Ich finde ihr Engegement ja wirklich toll, hätte aber einen dringenden Verbesserungsvorschlag: Ich bin auf Ihre Seite gestoßen bei der verzweifelten Suche nach einer Möglichkeit meinen Hund zu spenden. Sie musste gestern eingeschläfert werden und da ich selbst einmal Tiermedizin studiert habe, weiß ich wie wichtig es für die Studenten ist eine ausreichende Anzahl an „Übungstieren“ zu haben. Leider ist es scheinbar nicht möglich im Falle eines Falles schnell an Kontaktadressen zu kommen. Und ehrlich gesagt, so gerne ich sie spenden möchte, ich habe jetzt wirklich anderes im Kopf als stundenlang das Internet nach einem Kontakt zu durchforsten. Das ist natürlich nicht ihre Schuld, aber vielleicht könnten sie diesen Punkt bei ihrem weiteren Engegement mit einbeziehen. Und ggf. auch hier auf ihrer Seite mögliche Kontaktdaten aufzeigen.
    MfG

  3. Lisa sagt:

    Und warum sollten ausgerechnet die „künftigen Veterinäre“ die Schlachthöfe sehen???
    Im Studium wird vermittelt, wie es dort zugeht und auch die Tierhaltung wird einem ausreichend näher gebracht!
    Ich denke, es sollte fakultativ angeboten werden. Studenten, die später diese Berufsrichtung einschlagen wollen, können das ja gerne machen, aber denen, die aus ethischen und persönlichen Gründen darauf verzichten wollen, sollte die Möglichkeit dazu gegeben werden!

  4. Sambi sagt:

    Das dreiwöchige Schlachthofpraktikum für Veterinärmediziner finde ich gut und es sollte unbedingt beibehalten werden, weil hier die künftigen Veterinäre sehen, wie die Tiere tatsächlich zu Tode kommen, was sie ertragen müssen, wie sie sterben müssen und wie es in ihnen aussieht (Schäden durch die Tierhaltung).
    Ich hoffe, dass irgendwann Schlachthöfe überflüssig werden.

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