Ethik-Hochschulranking

Das Ethik-Ranking wurde 2010  im Rahmen einer deutschlandweiten Befragung der Kursverantwortlichen von medizinischen Fakultäten von 35 Universitäten, fünf veterinärmedizinischen Fachbereichen und Biologie-Physiologie Fachbereichen von 70 Universitäten für die Bereiche Bachelor und Vorklinik erstmalig entworfen und fortwährend erweitert und aktualisiert. Details zur Umfragemethodik können Sie auf deutsch und englisch als PDF-Datei herunterladen.

Im Juni 2012 führten wir zusätzlich eine Umfrage an den Instituten durch, die einen Bachelor für Ernährungswissenschaften anbieten. Hierbei wurde nicht allein nach möglichen Kursen der Tieranatomie und Tierphysiologie gefragt. Da besonders Vegetarier an diesem Studium interessiert sein dürften, wurde auch das Thema tierische Lebensmittelverarbeitung und Verkostung aufgenommen.

Die Übersicht soll den Studierenden ein Wegweiser sein, die aus ethischen Gründen den Einsatz von Tieren für ihre Ausbildung vermeiden möchten. Die Vielzahl aktuell vorhandener und bereits in der Lehre evaluierter alternativer Lehrmaterialien zeigt pädagogisch und innovativ Wege, wie auch bei ethischen Bedenken die im Grundgesetz verankerte freie Berufswahl beschritten werden kann. Der hohen Verantwortung zukünftiger Lehrer, Forscher und Mediziner soll bereits in der Ausbildung Rechnung getragen werden.

Das Satis-Ethikranking ist als kostenlose Broschüre verfügbar (PDF-Datei, ca. 650 kB).

Ampelsystem

Grün: Ausschließlich humane Lehrmethoden (Computersimulationen, Probanden, Modelle, Phantome, Spendertiere nach natürlichem Tod oder Einschläferung aus medizinischen Gründen)

Gelb: Nicht-invasive Versuche (Versuche, bei denen die Tiere keine Schmerzen leiden oder Schäden erleiden, danach Vermittlung), außerdem Fehltage, passive Teilnahme oder Ersatzleistungen zum Tiereinsatz möglich

Rot: Einsatz von Tieren oder Tierorganen (invasive Versuche oder Töten der Tiere, Tiere aus Tierversuchen oder sogen. Schlachthofabfälle; nicht-invasive Versuche, bei dem die Tiere danach getötet werden oder in andere Versuche gehen)

Biologie

SATIS-Ethikranking Biologie

Derzeit ist es in der Biologie vereinzelt möglich ohne den Einsatz von Tieren den Bachelor-Abschluss zu erlangen. Es gibt keinen tierverbrauchsfreien Abschluss zum Bachelor of Science Biologie, aber die Studiengänge mit biologischen Bachelor of Science verschiedener Spezialisierungsrichtungen wurden für Bonn (Hochschule), Kaiserslautern, Gelsenkirchen-Recklinghausen, Kleve und Lüneburg als vorbildlich gewertet. Weiterhin kann man in Lüneburg und Trier auf Lehramt bzw. Bachelor of Education ohne Tierverbrauch studieren. Die Masterstudiengänge bieten jeweils eine große Vielfalt an Wahlpflichtmodulen und Spezialisierungsrichtungen, hier sind auch tierverbrauchsfreie Möglichkeiten geben.

Die an anderen Fakultäten nur teilweise human durchgeführten Kurse können innerhalb der Modulstudiengänge möglicherweise an verschiedenen Universitäten belegt werden. Die Anerkennung der Punkte bzw. Scheine sollte vorher mit den jeweiligen Prüfungsämtern schriftlich zugesichert werden.

Humanmedizin

 

SATIS-Ethikranking Medizin, Veterinärmedizin, Pharmazie u.a.

In der Humanmedizin ist in den letzten Jahren ein Richtungswechsel hin zu einer Ausbildung am Menschen zu beobachten. Von den befragten Hochschulen bieten Bochum, Frankfurt, Kiel, Marburg, Münster und Witten/Herdecke in der Vorklinik keine Kurse mit Tierverbrauch an. An weiteren 15 Studienorte ist der Einsatz von Tieren durch alternative Kursinhalte oder Ersatzleistungen umgehbar. Im klinischen Bereich der Ausbildung werden zum Teil Wahlpflichtmodule mit Tierverbrauch angeboten, Ausweichmöglichkeiten auf humane Wahlpflichtkurse sollten erfragt werden. Eine erfreuliche Entwicklung ist in der Humanmedizin die Einrichtung von sogenannten SkillsLabs an einigen Fakultäten, die Simulatoren und Phantome für Studierende bieten.

Veterinärmedizin

Schon aufgrund des im Staatsexamen verankerten dreiwöchigen Schlachthofpraktikums ist das Berufsziel Veterinärmediziner in Deutschland für Menschen mit ethischen Bedenken nur unter Gewissenskonflikten erreichbar.

Weitere Studiengänge

Andere Abschlüssen in den Natur- und Lebenswissenschaften zeigen ebenfalls die Diversität der geforderten Lernziele. Der Studiengang Pharmazie, der mit dem Staatsexamen abgeschlossen wird, ist in Berlin FU, Greifswald, Düsseldorf und Heidelberg ohne Tierverbrauch, weiterhin können Pharmatechnologie in Detmold, Bioinformatik in Halle und mit Einschränkungen Medizinische Biologie in DuisburgEssen mittels humaner Lehrangebote studiert werden.

Bitte beachten: Alle Angaben ohne Gewähr

Aufgrund der Vielfalt der angebotenen Studiengänge und Fakultäten in Deutschland sowie der teilweise wechselnden Lehrangebote soll diese Übersicht nicht als vollständig betrachtet werden. Wir bemühen uns um eine ständige Aktualisierung. Sollten die Informationen zu den Lehrinhalten und Studienmöglichkeiten an Ihrer Universität fehlen bzw. nicht mehr aktuell sein, würden wir uns über eine Rückmeldung freuen. Wir bitten Studierende sich vor der Studienplatzwahl selbst bei der jeweiligen Studienfachberatung zu informieren.

2 Antworten für “Ethik-Hochschulranking”

  1. Lisa sagt:

    Und warum sollten ausgerechnet die „künftigen Veterinäre“ die Schlachthöfe sehen???
    Im Studium wird vermittelt, wie es dort zugeht und auch die Tierhaltung wird einem ausreichend näher gebracht!
    Ich denke, es sollte fakultativ angeboten werden. Studenten, die später diese Berufsrichtung einschlagen wollen, können das ja gerne machen, aber denen, die aus ethischen und persönlichen Gründen darauf verzichten wollen, sollte die Möglichkeit dazu gegeben werden!

  2. Sambi sagt:

    Das dreiwöchige Schlachthofpraktikum für Veterinärmediziner finde ich gut und es sollte unbedingt beibehalten werden, weil hier die künftigen Veterinäre sehen, wie die Tiere tatsächlich zu Tode kommen, was sie ertragen müssen, wie sie sterben müssen und wie es in ihnen aussieht (Schäden durch die Tierhaltung).
    Ich hoffe, dass irgendwann Schlachthöfe überflüssig werden.

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