Über SATIS

In den Studiengängen der Biologie, Human- und Veterinärmedizin werden noch immer viele Studenten unter Einsatz von Tieren ausgebildet. Wir zeigen innovative und pädagogisch hochwertige humane Lehrmethoden, die konservativen Kursangeboten in nichts nachstehen und einigen Studien zufolge sogar besser abschneiden. Im Projekt SATIS setzt sich der Bundesverband Menschen für Tierrechte für eine Ausbildung mittels humaner Lehrmethoden ein. SATIS versteht sich als Kontakt- und Anlaufstelle für Studierende, Dozenten und Hersteller alternativer Lehrmaterialien.

SATIS wurde im Jahre 1988 als Bundesverband SATIS von engagierten Studierenden und Tierschützern als gemeinnütziger, bundesweit arbeitender Verein gegründet. Um die Tierschutzarbeit an den Hochschulen effektiver zu gestalten und ein Informationsnetz aufzubauen, vereinte er die Aktivitäten vieler studentischer Arbeitsgruppen, die sich damals an ihren Universitäten für ein Studium ohne Tierverbrauch einsetzten. Aufgrund der studentische Projekte oft begleitenden Fluktuation der Engagierten löste SATIS im Jahr 2000 seine Vereinsstrukturen auf und schloss sich als Arbeitsgruppe dem Bundesverband Menschen für Tierrechte an.

Tierverbrauch im Studium (Begriffserklärung)

Wer Biologe, Biologielehrer, Arzt oder Tierarzt werden möchte, wird an den meisten deutschen Universitäten gleich zu Beginn seines Studiums mit dem sogenannten ‘Tierverbrauch’ konfrontiert. Darunter versteht man die Verwendung eigens zu Studienzwecken verwendeten Tieren. In den Praktika zur Morphologie werden Tiere verschiedener Arten getötet und seziert, um den grundlegenden Aufbau der unterschiedlichen Organisationsformen im Tierreich darzustellen. In den Kursen der Physiologie, der Lehre von den Lebensvorgängen, werden besonders häufig die Organe zuvor getöteter Frösche verwendet. Auch Eingriffe und Behandlungen am lebenden Tier, wie zum Beispiel Kreislauf-Versuche am narkotisierten Kaninchen, wurden im Physiologie-Praktikum bisweilen durchgeführt. Bei der Durchführung solcher Praktika sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten. Es handelt sich um die Vermittlung und Veranschaulichung längst bekannten Lehrbuchwissens.

Jedes Jahr werden etwa 60.000 Tiere für die Pflichtpraktika der studentischen Ausbildung getötet. Dabei handelt es sich neben wirbellosen Tiere wie Regenwürmer, Schnecken, Krebse und Insekten, auch um etwa 15.000 Wirbeltiere wie Ratten, Mäuse, Kaninchen, Frösche und Fische.

Gewissensnot der Studierenden

Viele Studierende lehnen den ‘Tierverbrauch’ aus Gewissensgründen ab. Doch wer sich weigert, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen, muss damit rechnen, keinen Leistungsnachweis für das Praktikum zu erhalten. Die Nichterteilung eines Leistungsnachweises führt zur Aufgabe des Studiums. So unter Druck gesetzt, beugen die Studenten sich oft dem Zwang. Einige geben ihr Studium auf bzw. wählen andere Studienrichtungen, die nicht unbedingt mit ihren Berufswünschen übereinstimmen, um nicht gegen ihre ethische Überzeugung handeln zu müssen. Einige wechseln die Hochschule, wieder andere versuchen sogar auf gerichtlichem Weg, ihr Recht auf Gewissensfreiheit durchzusetzen – SATIS versteht sich als Forum der Studierenden, die den ‚Tierverbrauch‘ im Studium ablehnen.

Zeit zum Handeln

Ein Trend zu einer humaneren Praktikumsgestaltung und zur Anerkennung des studentischen Rechtes auf Gewissensfreiheit ist klar erkennbar. Während Jahr für Jahr (auch international) mehr Studierende erfolgreich in den reformierten Praktika ausgebildet werden, beharren Professoren anderer Universitäten weiterhin auf ihren ‘tierverbrauchenden’ Lehrmethoden. Daher bedarf es neben einer umfassenden Beratung und dem Abbau von Vorurteilen gegenüber innovativen Lehransätzen, auch eines Bewusstseinswandels bei den verantwortlichen Professoren, aber auch bei vielen Studierenden, um den ‘Verbrauch‘ von Tieren in der universitären Lehre durch humane Lehrmittel zu ersetzen – SATIS versteht sich somit auch als Forum für Lehrende, die alternative Lehrmaterialien und pädagogische Methoden ohne Tiereinsatz in ihren Praktika umsetzen möchten, sowie als Vermittler zwischen Herstellern und Dozenten, um zu den Lehrinhalten passende anspruchsvolles Lehrmaterial zu entwickeln und auf dem Markt zu etablieren.

Perspektiven

Durch die zunehmende Kritik an der Verwendung von Tieren in der Lehre hat sich in den letzten Jahren an den Hochschulen einiges geändert. Versuche an lebenden Tieren wie die Wiederbelebung am offenen Brustkorb von narkotisierten Hunden und Katzen oder das Sezieren von Schildkröten, die noch Mitte der achtziger Jahre zum Pflichtrepertoire einiger medizinischer Hochschulen zählten, gehören der Vergangenheit an. Auch die Anzahl der ‘verbrauchten’ Tiere geht seit dieser Zeit kontinuierlich zurück. Besonders deutlich wird dies am Beispiel des Physiologie-Praktikums für Tiermediziner. Hier ist seit 1989 ein Rückgang von 90 Prozent zu verzeichnen. Zunehmend werden auch Praktika ganz ohne ‘Tierverbrauch’ gestaltet. Im Jahr 1990 verzichteten beispielsweise gerade einmal fünf der 36 humanmedizinischen Fakultäten im Physiologie-Praktikum gänzlich auf den Verbrauch von Tieren, heute sind es bereits achtzehn. Diese Veränderungen wurden zum einen durch die unermüdlichen Proteste zahlloser Studierender ermöglicht, und zum anderen dadurch, dass heute eine Fülle alternativer Lehrmethoden zur Verfügung steht. Die Palette der über 500 verschiedenen ‘tierverbrauchsfreien’ Verfahren reicht von schmerzlosen Selbstversuchen, Computersimulationen, Filmen, interaktiven Videosystemen, Kunststoffmodellen, Plastinationen (in einen plastikartigen, unbegrenzt haltbaren Zustand überführte Tiere oder Organe) bis hin zum Einsatz auf natürliche Weise gestorbener oder aus tiermedizinischen Gründen eingeschläferter Tiere.

Begriffsklärung Tierverbrauch vs. Tierversuch

Im allgemeinen Verständnis wird jede Nutzung von Tieren an Universitäten und Forschungseinrichtungen als ‚Tierversuch’ verstanden. Nach dem Deutschen Tierschutzgesetz wird jedoch nach Art und Grund der Nutzung in Tierverbrauch und Tierversuch differenziert.

Unter Tierverbrauch versteht man nach §10 des Tierschutzgesetzes die Nutzung von Tieren zur Aus-, Fort- und Weiterbildung. Diese Nutzung ist anzeigepflichtig (durch den Dozenten), die zuständige Behörde hat die Verpflichtung zu prüfen, ob es Alternativen gibt. Zu Aus-, Fort- und Weiterbildung zählt neben Studium und Lehre auch die Weiterbildung von Wissenschaftlern, etwa im Vorfeld zur Durchführung von Tierversuchen. Dass heisst, die in der Tierversuchsstatistik erfassten Tiere zum Zwecke der Aus-, Fort- und Weiterbildung, beinhalten neben den studentischen Kursen auch Tierversuche vorbereitende Pflichtkurse für Wissenschaftler.

Im Gegensatz zu Aus-, Fort- und Weiterbildung wird in der Forschung nach neuen Erkenntnissen gestrebt. Tiere werden in Experimenten mit ungewissen Ausgang verwendet. Diese Untersuchungen werden unter §7 des Tierschutzgesetzes als Tierversuch eingeordnet. Siehe auch Recht und Gesetz.

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