Modellbasierter Notfallkurs der Veterinärmedizin Berlin

Professor Jörg Aschenbach, Prodekan für Lehre am Fachbereich Veterinärmedizin Berlin, hat sich mit seinem Team ein besonderes Konzept für den Notfallkurs ausgedacht: Zwei Wochen lang trainieren Studierende intensiv die häufigsten Notfälle der Tiermedizin. Dazu gehört ein angefahrener Hund zum interaktiven Trainieren der Wiederbelebung, ein Rind mit komplizierter Geburt, ein Huhn mit Verdacht auf Salmonellen oder ein Pferd mit Kolik. Statt echter Patienten werden in 16 Stationen rund 90 Tiermodelle verwendet. So müssen nur einige wenige Übungen an Tierkadavern durchgeführt werden. Das Projektteam des Notfallkurses entwickelt auch eigene Modelle, wenn es diese noch nicht gibt, wie das Modell einer Henne für Blutentnahme, Injektion und Tupferprobenentnahmen. Auf eigene Entwicklungen greift das Team auch zurück, wenn Modelle sehr teuer sind, wie z.B. ein Trainingspferd für etwa 40.000 Euro. Die Ausgründung Vetiqo vertreibt Tiermodelle für die tiermedizinische Ausbildung weltweit, wie z. B. ein Schwein, mit verschiedenen Trainingsmodulen (von der Blutentnahme bis zur Kastration).

Per E-Learning über die interaktive Lehr- und Lernplattform tetfolio setzen sich die Studierenden vorab mit den Notfalltrainings auseinander. Die Plattform bietet u.a. rund 40 Lernvideos, interaktive Aufgaben, Fragen und Feedback. Als umfangreiche Lernplattform dient auch das Projekt QuerVet, wofür am Fachbereich Veterinärmedizin bereits viele fallbasierte Szenarien aus der tierärztlichen Berufspraxis digital aufbereitet wurden.

In Deutschland bietet inzwischen jede Universität mit Veterinärmedizin auch modellbasierte Lehre an, erklärt Jörg Aschenbach. Oftmals bliebe sie dort jedoch auf kleine Gruppen und Wahlpflichtkurse beschränkt. „Ein Pflichtkurs mit sechs Semesterwochenstunden auf Basis von Modellen, wie wir ihn an der Freien Universität Berlin anbieten, das ist neu – und mit der Zahl der vorhandenen Lehrkräfte eigentlich kaum zu realisieren.“ Gelöst wurde das Problem, indem Studierende während des Kurses auch Coach für eine Station sind.

In Deutschland gilt jede Übung am gesunden Tier als Tierversuch. Die intensive Vorbereitung am Modell ist ein Beitrag zum 3R-Prinzip, bei dem es darum geht, Tierversuche zu vermeiden („replace“), zu verringern („reduce“) und zu verbessern („refine“).

Weitere Informationen unter: https://www.fu-berlin.de/campusleben/lernen-und-lehren/2021/211007-vetmed-notfallkurs/index.html

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